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"Mein Mann ist zwar etwas dünn und klapprig, aber..."

Die Referentinnen und Referenten (von links): Insa Fooken, Joachim Süss, Bertram von der Stein, Astrid Riehl-Ende, Gereon Heuft, Andreas Wolf
Die Referentinnen und Referenten (von links): Insa Fooken, Joachim Süss, Bertram von der Stein, Astrid Riehl-Ende, Gereon Heuft, Andreas Wolf. Foto: Collin Eiden

Fachtagung an der Rhein-Klinik: die Bedeutung existenzieller Themen in der Behandlung Älterer

Mit 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war die Tagung „die Bedeutung existenzieller Themen in der Behandlung Älterer“ in Bad Honnef am 9. November 2018 gut besucht.
 „Mein Mann ist zwar etwas dünn und klapprig, aber wenn er dann in der Oper den (geliehenen) Smoking anzieht, dann bin ich doch auch nach 50 Jahren Ehe noch stolz auf ihn“. So etwa gab Astrid Riehl-Emde (Heidelberg) die Ambivalenz einer Patientin der Paarambulanz für Ältere wieder. Gemischte Gefühle nehmen im Alter zu, und es kann eine psychische Leistung sein, sie zu akzeptieren, oder manchmal auch eine reduzierende Vereinfachung. Ältere geben oft an, sich besser zu fühlen, als man es nach ihrem körperlichen Gesundheitszustand erwarten würde. Diese „resignative Reife“(A. Retzer) hat auch etwas Tröstliches.

An der Rhein-Klinik gibt es einen Behandlungsschwerpunkt für ältere Patienten und Patientinnen. Andreas Wolf, Ärztlicher Direktor der Rhein-Klinik, beschrieb, wie in der Psychotherapie mit Älteren vermehrt existentielle Themen aufgeworfen werden, die das Wesen der therapeutischen Beziehung enorm beeinflussen. Tod und Sterben, Einsamkeit, die Frage nach dem Sinn des Lebens und nach dem Umgang mit dem nachlassenden Körper seien beispielhaft genannt.

Die Therapeutische Beziehung, vor allem von jüngeren Therapeutinnen und Therapeuten zu einem Gegenüber im Alter von Eltern oder Großeltern ist geprägt von mehr Realbeziehung, weniger Deutung – es entsteht eine umgekehrte Übertragung, wie sie Bertram von der Stein (Köln) aus seiner analytischen Praxis mit Älteren anschaulich beschrieb. Er empfahl den Anwesenden, sich auf die Älteren einzulassen, auch Gruppentherapie hat sich bewährt.

Insa Fooken (Frankfurt) hat vor allem eine Forschungsperspektive auf die Herausforderungen im Alter. Sie untersuchte u.a. die Lebenserfahrungen vaterloser Töchter aus dem 2. Weltkrieg, für die der abwesende Vater immer ein präsenter Abwesender geblieben ist, ein Sehnsuchtsobjekt, das bis heute die Gegenwart unvollkommen macht.

Gereon Heuft (Münster) ist in einer empirischen Studie der Frage nachgegangen, ob die Not beten lehrt, wie es Goethe einmal formuliert hat. Eine große Stichprobe von Menschen in Not aus der Klinikambulanz zeigte allerdings keine signifikant größere Religiosität als die Gesamtbevölkerung von NRW. Allerdings gibt es bei ihnen eine Hoffnung, dass Krisen mit Religion besser zu bewältigen wären.

Den Blick auf eine historische und europäische Perspektive schärfte Joachim Süss (Erfurt), der an verschiedenen Beispielen von interstaatlichen Projekten der jungen Generation zeigte, wie sich Kriegsenkel (geb. 1960-75) um Versöhnung über Staatengrenzen hinweg bemühen, etwa wenn eine tschechische Initiative beginnt, die Geschichte der Sudeten und des Sudetenlandes aufzuarbeiten. In Deutschland gab es lange ein Stillschweigen der Eltern oder Großeltern über die eigenen Erfahrungen im 2. Weltkrieg. Hier fangen die Jüngeren an nachzufragen und nachzuforschen.

Beim vertrauen leckeren Rhein-Klinik-Buffet konnten die Erfahrungen, Gedanken und Theorien in angenehmer Weise ausgetauscht werden.

Text: Karin Schreiber-Willnow

Was hilft gegen Depression? Lesung mit Heide Fuhljahn

Heide Fuhljahn, Wiebke Pape, Karin Schreiber-Willnow, Andreas Wolf. Fotos: Rhein-Klinik.

Jahrelang versucht die Journalistin Heide Fuhljahn gegen ihre Angst vor dem normalen Alltag, ihre tiefe Traurigkeit und ihre ständige Erschöpfung anzukämpfen. Bis sie in der Therapie erkennt, dass sie krank ist, Depressionen hat. In zwei Büchern hat sie sich des komplexen Themas angenommen. Am Mittwoch, 20. Juni 2018, war Heide Fuhljahn zu Gast in der Rhein-Klinik. In Kooperation mit dem Bündnis gegen Depression Bonn/Rhein-Sieg kamen Patienten, Mitarbeiter und Honnefer Bürger zur Lesung und zum anschließenden Austausch mit ihr und zwei Experten: Frau Dr. Wiebke Pape und Herr Dr. Andreas Wolf, leitende Ärzte der Rhein-Klinik.

In ihren Texten las sie über ihre eigene Erkrankung und Behandlung, sowie über die Behandlung einer Patientin aus Sicht der Therapeutin und der Patientin selbst. So ließ sich miterleben, wie eine Psychotherapie abläuft, und wie Gesundung möglich ist.

Die Brigitte-Autorin, Journalistin und Betroffene Heide Fuhljahn (Hamburg) erkannte in der Therapie, dass sie unter Depression leidet, wie vier Millionen andere Deutsche auch, Tendenz steigend. Zwei Bücher hat sie zum Thema geschrieben: „Kalt erwischt“ und „Von Wahn und Sinn“. In „Kalt erwischt“ wird deutlich: Es kann jeden treffen. Depressionen sind vielschichtig, die Ursachen so zahlreich wie die Therapien. Nur, welchen Weg durch den Psycho-Dschungel soll man einschlagen? Nach mehreren Klinikaufenthalten und jahrelangen Therapien weiß Heide Fuhljahn, welche Faktoren Depressionen auslösen und wie die verschiedenen Varianten geheilt werden können. Anhand ihrer eigenen Geschichte zeigt sie, wie komplex die Krankheit ist und dass Frauen besonders und doppelt so häufig wie Männer betroffen sind. Dazu hat sie Experten befragt und stellt deren Tipps zu Medikamenten und Psychotherapien vor.

Heide Fuhljahn stellt auch ihr neues Buch „Von Wahn und Sinn“ vor, in welchem sie Fallgeschichten psychisch Erkrankten aus deren Sicht und aus Sicht der Psychotherapeuten darstellt. Im Anschluss an die persönlichen Erfahrungen fasst sie die psychische Erkrankung und die durchgeführte Therapie fachlicher versiert, aber immer verständlich zusammen, um am Ende die Frage zu beantworten: Was hilft?

Text: Karin Schreiber-Willnow.

200 Tagungsteilnehmer singen mit Vergnügen im Kanon „Der Hahn ist tot“

Wolfgang Wöller
Foto: Silke Reimann

Als beim letzten Vortrag am Abend der Beamer versagte, konnte Peer Abilgaard spontan sein Vortragsthema umsetzen: mit „Humor  in Musik und Psychotherapie“ nutze er die technische Pause, um das Auditorium von den Stühlen zu lösen und mit ihnen zusammen zu singen.

Unter dem Titel „Psychodynamik 3.0:  Konflikt – Struktur – Trauma“ trafen sich am 17. und 18.11.2017  zweihundert Fachleute aus der Psychotherapie und Psychosomatik, um den aktuellen Stand der Entwicklung  des Faches zu diskutieren. Die Rhein-Klinik Bad Honnef hatte die Tagung zur Verabschiedung ihres Ärztlichen Direktors Wolfgang Wöller ausgerichtet. In 10 Fachvorträgen wurden bedeutsame Aspekte der Psychodynamischen Psychotherapie dargestellt, vor allem wurde deutlich, wie sich die klassischen Behandlungsansätze in der Behandlung traumatisierter Menschen weiterentwickelt haben. Luise Reddemann betonte die bedeutende Rolle von Mitgefühl und Achtsamkeit der Therapeutinnen in der Traumatherapie.

Cord Benecke begab sich in den Ring mit Wolfgang Wöller für eine Weiterentwicklung der OPD, um Traumafolgeerkrankungen dort angemessen abzubilden.  Es gelang ihm, die komplexen theoretischen und methodischen Auseinandersetzungen spannend und verständlich in Form eines lustvollen Ringkampfes darzustellen.

Nachdenklichkeit bewirkte Wiebke Pape mit ihren Überlegungen zur Komplexität von Täterbindungen bei Menschen, die sich etwa aus kriminellen Milieus befreien möchten und stellt hier die Regel „keine Traumatherapie bei Täterkontakt“ in Frage. Arne Hofmann beeindruckte mit Weiterentwicklungen der EMDR-Behandlung für Patienten mit Depression.

Johannes Kruse fasste vielfältige Untersuchungen zusammen, in denen für Menschen mit frühen Traumatisierungen ein erhöhtes Risiko für Diabetes, COPD und andere körperliche Erkrankungen gefunden wurde. Der oft übersehende Affekt der Scham in der Behandlung traumatisierter Patientinnen und Hinweise für den Umgang damit wurden von Helga Mattheß ausgeführt, Scham, die sowohl auf Seiten der Patientin als auch der Therapeutin spürbar ist.

Die Darstellung von Menschen mit traumatischen Erfahrungen in der Literatur brachte Alexandra Pontzen  den Teilnehmern nahe mit einer Liste empfehlenswerter Bücher, vielleicht für den Weihnachtstisch.

In eindrucksvollen Videobeispielen zeigte Dolores Mosquera, wie in EMDR-Behandlungen Bindungstraumata „repariert“ werden können. Sie vertiefte die Vermittlung therapeutischer Werkzeuge in einem anschließenden Workshop.Zum Abschluss buchstabierte Wolfgang Wöller seine Prinzipien einer ressourcenbasierten psychodynamischen Beziehungsgestaltung und warf dabei  einige alte psychoanalytische Regeln über Bord. Mit Bildern aus Fellinis „E la nave va“ (das Schiff fährt los) fasste er so seinen Beitrag zur Entwicklung der psychodynamischen Traumatherapie zusammen und erfuhr die Anerkennung und den Dank dafür mit standing ovations des Publikums.

Text: Karin Schreiber-Willnow

 

 

Peer Abilgaard
Cord Benecke
Wiebke Pape
Arne Hofmann
Johannes Kruse
Alexandra Pontzen
Dolores Mosquera
Fotos: Silke Reimann

Wechsel in der Rhein-Klinik-Leitung

Verabschiedung und Begrüßung im festlichen Rahmen: Geschäftsführer Lars Bienek (v.l.), der künftige Ärztliche Direktor Dr. Andreas Wolf, Dr. Wiebke Pape (neue Leiterin der Abteilung Traumafolgestörungen und Essstörungen), der scheidende Ärztliche Direktor Dr. Wolfgang Wöller, Pflegedienstleiter Ralf Weinz und Vorstandsvorsitzender Dr. Ingo Habenicht als Vertreter des Klinik-Trägers Ev. Johanneswerk.

Ärztlichen Direktor in den Ruhestand verabschiedet

Die Rhein-Klinik Bad Honnef hat am 17. November 2017 im festlichen Rahmen ihren Ärztlichen Direktor Privatdozent Dr. Wolfgang Wöller verabschiedet und den Nachfolger Dr. Andreas Wolf sowie die neue Leitende Ärztin Dr. Wiebke Pape begrüßt. Die Würdigung des scheidenden Ärztlichen Direktors erfolgte durch Dr. Ingo Habenicht, Vorstandsvorsitzender des Ev. Johanneswerks und den Geschäftsführer der Rhein-Klinik, Lars Bienek. Er stellte gemeinsam mit Dr. Wöller die Nachfolger in der Klinik-Leitung beziehungsweise in der Leitung der Fachabteilung vor. Eingebettet in die Feier waren diese Programmpunkte in die Andacht zu Beginn (gehalten von der Klinik-Seelsorgerin Carla Vanselow) und die musikalischen Beiträge des Pianisten Berthold Wicke.

Verabschiedung

PD Dr. med. Wolfgang Wöller beendet im Dezember 2017 seine 13-jährige Tätigkeit in der Rhein-Klinik und geht in den Ruhestand.

Von 2010 bis 2017 war er Ärztlicher Direktor. Als Arzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie für Neurologie und Psychiatrie, Psychoanalytiker und Traumatherapeut leitete er die Abteilung mit den Schwerpunkten Traumafolgestörungen und Essstörungen. Er hat für Folgestörungen Behandlungskonzepte entwickelt, die durch die Integration Trauma-spezifischer Konzepte in das psychodynamische Therapiemodell die stationären Behandlungsmöglichkeiten erweitert haben.

Durch seine fachliche Kompetenz sowohl in der psychodynamischen Therapie als auch in der Traumatherapie steht er für eine Integration der beiden Ansätze, die er in vielen Publikationen und Vorträgen bundesweit bekannt gemacht hat.       

Nachfolge

Die Nachfolge in der Klinikleitung  als Ärztlicher Direktor tritt Dr. med. Andreas Wolf an.

Er ist  Facharzt für Psychosomatische Medizin, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, seit langen Jahren in der Rhein-Klinik tätig, seit fünf Jahren Leitender Arzt der Abteilung für Erkrankungen im Alterungsprozess und Leiter der Ambulanz der Rhein-Klinik sowie stellvertretender Ärztlicher Direktor. Sein  Schwerpunkt ist die Alternspsychotherapie.

Er ist darüber hinaus Mitglied der überregionalen Arbeitsgruppe OPD, die ein diagnostisches System für die Psychodynamische Psychotherapie weiterentwickelt.

Die Nachfolge von Dr. Wöller als Leitung der Abteilung mit den Schwerpunkten Traumafolgestörungen und Essstörungen wird Dr. med. Wiebke Pape antreten.
Sie ist als Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie langjährig an der Rhein-Klinik als Ständige Stellvertreterin und Oberärztin an dieser Abteilung tätig.

Sie ist in analytisch-systemischer Therapie sowie als Trauma-Therapeutin mit der Methode des  EMDR ausgebildet. Und Dr. Pape ist Mitglied im Deutschen Bündnis gegen Depression e.V.

Bei der Fachtagung im Anschluss an die Verabschiedung trafen sich 200 Fachleute, um unter dem Titel „Psychodynamik 3.0 – Konflikt –Struktur –Trauma“ Vorträge von ausgewiesenen Experten über die aktuelle Entwicklung der Psychotherapie zu hören.

Asche und Gold

Unter dieser Überschrift lud die Rhein-Klinik am 29.10.2017 zu einer Vernissage von Christine Anna Wurster aus Bonn ein. Großformatige Bilder schmücken die Mehrzweckhalle, in der die Patientinnen und Patienten sonst Badminton oder Volleyball spielen, oder wo Fortbildungen der Rhein-Klinik stattfinden.

Frau Dr. Eva-Christine Raschke (Bonn) brachte den anwesenden Patientinnen und Patienten der Rhein-Klinik, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Freundinnen und Freunden und Bekannten die Bilder näher. Beim Klinikeingang finden sich Landschaften, die mit dem Weg zur Halle abstrakter werden. Die Künstlerin hat sowohl Asche, als auch Blattgold verarbeitet, was zu großem Kontrast auf den Bildern führt. Dr. Wolfgang Wöller, ärztlicher Direktor der Rhein-Klinik freute sich in seinen Begrüßungsworten, dass er zum Gelingen dieser Ausstellung beitragen konnte.  Die Vernissage wurde begleitet von der Jazzband aus dem Siebengebirge „Bajazzo“. Und für das leibliche Wohl hat die Küche der Rhein-Klinik wieder einmal hervorragend gesorgt.

Die Ausstellung wird nun für vier Wochen, auch während der Fachtagung „Psychodynamik 3.0“, die  Mitte November in der Klinik stattfindet, zu sehen sein.

Text: Karin Schreiber-Willnow


Christine Anna Wurster
Wolfgang Wöller, Eva-Christine Raschke und Christine Anna Wurster
Fotos: Rhein-Klinik

LUTHER IN VERSCHIEDENEN FARBEN UND FASSETTEN…

Foto: Rhein-Klinik

Ein wunderbarer Theaterabend in der Rhein-Klinik – ein Rückblick von Pastorin Carla Vanselow

Wie das Reformationsjubiläum in einer psychosomatischen Klinik angemessen feiern?
Das N.N. Theater aus Köln war von der Ev. Kirche im Rheinland damit beauftragt worden, ein Bühnenstück über Luther zu entwickeln und anlässlich des Reformationsjubiläums aufzuführen. Wir konnten es für eine nicht öffentliche Veranstaltung in der Klinik gewinnen.

Ein Theaterabend – dies war eine Prämiere für die Rhein-Klinik. Sie bedurfte einiger Kraftanstrengungen und wollte vor allem im Vorfeld gut vorbereitet sein. Uns war wichtig: Es sollte ein besonderer, ein festlicher Abend werden! Und so wurde entschieden, dass sowohl PatientInnen als auch MitarbeiterInnen der Klinik samt Angehörigen eingeladen werden, dazu auch das Presbyterium der ev. und der Pfarrgemeinderat der kath. Ortsgemeinde. Ferner: der Theateraufführung sollte ein festliches Essen („wie zu Zeiten Luthers“) vorausgehen, sozusagen als kulinarischer Genuss zur Einstimmung auf den Abend. 120 Gäste folgten der Einladung  zur Aufführung des N.N. Theaters am 26. April 2017: „Ich fürchte nichts… LUTHER 2017“ von George Isherwood.

Der Abend und insbesondere die Aufführung selbst waren ein einmaliges Erlebnis, das eine äußerst positive Resonanz bei PatientInnen, Mitarbeitenden und externen Gästen fand. Unerwartet lang wirkte es noch viele Tage und auch Wochen in unterschiedlichen Bezügen nach.
Die prägnante Umsetzung des „Stoffes“  beeindruckte: manchmal witzig und humorvoll, manchmal ernst, mit Schärfe und Tiefgang. Die Präsenz und Ausdrucksstärke der DarstellerInnen wirkte. Die Gestalt des Martin Luther in seinen unterschiedlichen Seiten, mit seinen Ambivalenzen lebendig werden zu lassen und darzustellen - das war das Anliegen des Ensembles. Dies hat bei allen Anwesenden einen tiefen Eindruck hinterlassen wie die Rückmeldungen vor allem der PatientInnen zeigten.
Viele der PatientInnen fühlten sich zu der Essens- und Theatereinladung sehr wertgeschätzt, so die Rückmeldung einer Oberärztin.

Auch für das Ensemble des N.N. Theaters sei es eine Prämiere gewesen, das Stück an einem Ort wie diesem aufzuführen. Das Ensemble habe sich hier sehr wohl gefühlt und würde gerne wiederkommen.
Die Evangelische Kirche im Rheinland unterstützte diesen Abend durch einen großzügigen finanziellen Zuschuss.

Der Geschäftsführer der Rhein-Klinik, Herr Bienek, und ich hatten die Gäste des Theaterabends mit gleich drei Luther-Figuren begrüßt –  in rot, blau und grün. Sozusagen drei Mal rheinischer Luther – ´angereist` aus der Bonner Luthergemeinde.  Und so wurde es auch eine bunte, lebendige Theaterveranstaltung.

„Ich fürchte nichts… LUTHER 2017“ - ein fruchtbarer Beitrag zum diesjährigen 500 Reformationsjubiläum.

Zwei neue Buchveröffentlichungen aus der Rhein-Klinik

Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung
Foto: hogrefe

Luise Reddemann, Wolfgang Wöller: Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung.
Aus der Buchreihe: Praxis der psychodynamischen Psychotherapie – analytische und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie. Göttingen: Hogrefe  2017

Die Bezeichnung „Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung“ steht für ein Spektrum von Störungsbildern, das typischerweise als Folge chronischer und kumulativer Traumatisierungen auftritt. Menschen mit komplexen Traumafolgestörungen befinden sich häufig in einem festgefahrenen Muster von Kontrollverlust, Hilflosigkeit und Abhängigkeit. Eine Therapie, die auf einzelne Symptome wie z.B. Depression oder eine „einfache“ Posttraumatische Belastungsstörung fokussiert, wird ihnen häufig nicht gerecht. Der vorliegende Band von Luise Reddemann und Wolfgang Wöller stellt ein psychodynamisches therapeutisches Vorgehen für diese Patientengruppe vor. Es hat zum Ziel, die Selbstheilungstendenzen zu fördern und so eine gesunde Weiterentwicklung der Person zu ermöglichen.

Nach einer Beschreibung des Konzepts der Komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung wird auf Störungstheorien und -modelle sowie das diagnostische Vorgehen eingegangen. Ausführlich erläutern die Autoren anschließend die Therapie. Ein zentraler Aspekt der Behandlung ist es, mithilfe gezielter Interventionen die Wiederaufnahme des Traumaverarbeitungsprozesses zu fördern. Dazu gehören z.B. Imaginationen zur Emotionsregulierung, die Benennung, Validierung und Differenzierung von Gefühlen und die Förderung der Selbstfürsorge. Ebenso werden Voraussetzungen und Methoden für die Traumaexposition illustriert. Ein abschließendes Kapitel geht auf die Wirksamkeit der Behandlungsmethode ein.

Psychosomatik
Foto: Thieme

Wolfgang Herzog , Johannes Kruse, Wolfgang Wöller
Psychosomatik   Erkennen - Erklären – Behandeln
Thieme  Stuttgart 2017

Wenn Patienten über Schmerzen unterschiedlichster Art, Herzrasen oder gar Atemnot klagen, so kann es sein, dass  der Körper reagiert, doch Auslöser ist mitunter die Seele. Psychosomatische Störungen sind häufig, das Spektrum der Beschwerden ist vielfältig und die Abgrenzung zu organischen Ursachen oft nicht klar. In diesem aktuellen Standardbuch der Psychosomatik ist das Wesentliche über psychosomatische Erkrankungen und deren Therapiekonzepte zusammengestellt.
Es gibt Antwort auf die wichtigsten Fragen:

  • Welche Erkrankung liegt vor, woran erkennt man sie?
  • Was sind die Ursachen?
  • Welche Behandlungsansätze gibt es?

Von Angststörungen bis zu kardiologischen Symptomen werden anhand zahlreicher Fallbeispiele die typischen Leitsymptome, Störungen und Besonderheiten psychosomatischer Krankheitsbilder vorgestellt. Der Fokus liegt hierbei auf der Persönlichkeit jedes einzelnen und der Beziehungsgestaltung zwischen Therapeut und Patient.

Aus dem Vorwort der Autoren: „Bei der Neukonzeption des Folgewerkes war es auch uns deshalb von Beginn an wichtig, ein „Praxis“-Buch für Psychosomatische Medizin zu schreiben, das für alle Interessierten, Ärztinnen –mit der weiblichen Form, z. B. „Ärztinnen“, ist auch die männliche Form „Ärzte“ mit eingeschlossen und umgekehrt, sodass doppelte Geschlechtsbezeichnungen zugunsten der Lesbarkeit vermieden werden –, Psychologinnen, Pflegende und Studierende intuitiv entlang der eigenen Erfahrungen, prozesshaft Begegnungen mit Patienten abbildet und dabei komprimiert und verständlich bleibt. Um dies zu erreichen, wurde eine spezifische Kapitelstruktur“ (… )  „gewählt, deren Schwerpunkte in den Abschnitten „Erkennen“, „Erklären“ und „Behandeln“ liegen. Hier werden jeweils ein phänomenologischer, ein hermeneutischer und ein evidenzbasierter Zugang für die beschriebenen Störungsphänomene gewählt.“ (… ) „Mit dieser Sequenz der Hauptabschnitte „Erkennen“, „Erklären“, „Behandeln“ und insbesondere dem Beginn mit dem phänomenologischen Zugang des Erkennens ist keine Theoriefeindlichkeit intendiert. Die Frage, ob Menschen eine theoriefreie Beschreibung überhaupt möglich ist, ist so alt und so kontrovers wie die Phänomenologie selbst. Theorien sind wichtige Bezüge und Ordnungsfaktoren jeglicher geistigen Aktivität von Menschen. In der Psychosomatischen Medizin beziehen wir uns explizit auf das „Bio-Psycho-Soziale Modell“ und ein psychodynamisches Verständnis in der Erklärung der Entstehung und Aufrechterhaltung von Störungen und Krankheiten. Gleichwohl beginnt in diesem Buch die Geschichte mit dem Patienten und seiner ersten Begegnung mit dem Arzt oder Therapeuten, und sie endet auch mit dem Patienten: „Wie ist es ihm weiter ergangen?“ – nach welcher Theorie er auch immer diagnostiziert und behandelt worden sein mag.“

Rhein-Klinik in Paris

Karin Schreiber-Willnow mit Studienergebnissen aus der Rhein-Klinik Bad Honnef in Paris. Foto: Christian Willnow

„Stationäre von den Krankenkassen finanzierte Psychotherapie über acht Wochen kennen wir in unserem Land nicht.“ So etwa lauteten die Kommentare zu den Forschungsergebnissen aus der Rhein-Klinik, die beim 8. Weltkongress für Psychotherapie in Paris von Karin Schreiber-Willnow aus der Rhein-Klinik Bad Honnef vorgestellt wurden. In der Katamnese-Studie der Abteilung für Alterspsychotherapie (Leitung: Andreas Wolf) zeigte sich bei über Sechzigjährigen, dass die Erfolge der stationären Behandlung auch fünf Jahre später noch anhielten.

Das World Council for Psychotherapy lud für eine Woche im Juli nach Paris ein zu seinem 8. Kongress „Life and Love in the 21st Century“. 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus über 40 Ländern trafen sich zu einem Austausch von Forschungsergebnissen und praktischen Methoden der Psychotherapie. In Vorträgen, Workshops und Poster-Präsentationen wurde ein sehr vielfältiges Bild der Psychotherapie sichtbar.

Anders als in Deutschland wird in den wenigsten Ländern die Psychotherapie von den Krankenkassen finanziert oder staatlich reguliert. Dadurch gibt es eine Vielfalt von Methoden und Verfahren neben den beiden großen Strömungen der Psychodynamischen Therapie und der Kognitiven Verhaltenstherapie, die auf der Tagung vorgestellt wurden. Interkulturelle Therapie, Paar- und Familientherapie, Traumatherapie, aber auch einzelne Beiträge zu Zen, Sufismus, Kinesiologie oder Kunst in der Therapie sowie Möglichkeiten der E-Psychotherapie reicherten das Spektrum an.

Das Haus der UNESCO mitten in Paris war ein würdiger Tagungsort, in Sichtweite des Eifelturms.

Fachtagung Begegnung – Beziehung – Bindung

Die Tagesklinik der Rhein-Klinik feierte ihren zehnten Geburtstag. Foto: Ulla Emig

anlässlich des 10. Geburtstags der Tagesklink

Aus Anlass des zehnjährigen Bestehens der Tagesklinik in der Rhein-Klinik Bad Honnef folgten 120 Kolleginnen und Kollegen der Einladung zu einer Fachtagung.

Nach einer Würdigung der Arbeit des Teams der Tagesklinik durch den ehemaligen Leiter Dr. Roland Vandieken und den derzeitigen Leiter Dr. Alexander Völker wurden in den Vorträgen drei wesentliche Elemente der therapeutischen Arbeit in den Blick genommen: als erstes Element die Begegnung – zwischen Menschen in psychischen Krisen, zwischen Therapeuten und Patienten, Begegnung zwischen Menschen, ohne Vorannahmen und Festlegungen. Als zweites Element wurde die Beziehung betrachtet – in der Therapie arbeiten wir mit, in und an der Beziehung, dies auf der Ebene und mit den Mitteln von Körper, Sprache und Gestaltung. Beziehung verändert wechselseitig, prägt Selbstbild, Persönlichkeit und Beziehungserwartungen. Das dritte Element, die Bindung – sichere Bindung ist das Fundament, für Wachstum und Entwicklung hin zu Eigenverantwortung und Autonomie.

Begegnung, Beziehung und Bindung – diese Herzstücke eines heilsamen Miteinanders erläuterten die Referenten in ihren Vorträgen. Prof. Dr. Joachim Küchenhoff aus Basel stellte die Beziehung und die Beziehungsarbeit, die die Therapie von einer Alltagssituation unterscheidet, in den Mittelpunkt seines Vortrags. Priv. Doz. Dr. Claudia Subic-Wrana aus Mainz erläuterte das Krankheitsmodell und die Behandlungstechnik der Panikfokussierten Psychodynamischen Psychotherapie der Panikstörung (PFPP) und nahm dabei vor allem die zugrundeliegende Beziehungsstörung in den Blick. Prof. Dr. Ralf Zwiebel aus Kassel betonte die Bipolarität von Anfänger- und Experten-Geist in der therapeutischen Begegnung: Psychotherapeuten haben ihr Wissen um die Erkrankungen, müssen aber das Wissen immer wieder zurückstellen, zu Gunsten einer unvoreingenommenen Begegnung mit dem hilfesuchenden Menschen, der vor ihnen sitzt.

Entspannen und informieren beim Parkfest

Rhein-Klinik lädt alle Interessierten ein

In diesem Jahr feiert die Tagesklinik der Rhein-Klinik, Krankenhaus für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, ihr zehnjähriges Bestehen. Aus diesem Anlass findet am Samstag, 10. September 2016 ab 14 Uhr ein Parkfest in der Luisenstr. 3 in Bad Honnef statt. Alle Interessierten sind herzlich willkommen.

Die Besucherinnen und Besucher sind zum Entspannen und Verweilen im Park eingeladen. Der Gospel-Chor „`n Joy“ aus Bad Honnef sowie „Pulse & Poems“ mit Nils Kercher & Kira Kaipainen werden live auftreten und für Musik und Unterhaltung sorgen. Darüber hinaus bietet die Klinik ein buntes Mitmach-Programm für die ganze Familie.

Wer einen Blick hinter die Kulissen der Klinik werfen möchte, kann sich bei Führungen, Vorträgen und Aktionen über das Behandlungsangebot informieren. Auch für das leibliche Wohl ist bestens gesorgt. Alle Spendeneinnahmen, die während des Festes gesammelt werden, kommen dem Sport- und Freizeitangebot für Patienten der Rhein-Klinik zugute.

Vom Chefbüro in den Klinikalltag

Ingo Habenicht (3.v.r.) war für eine Woche Teil des Teams der Tagesklinik: (v.l.) Erdmuthe von Schlabrendorf, Katharina Diatara, Dr. Alexander Völker, Adelheid Sondermann und Barbara Balensiefen gewährten ihm intensive Einblicke unter anderem in die Kunsttherapie.
Insbesondere den fachlichen Austausch fanden Habenicht und das Team bereichernd. Fotos: Ulla Emig

Vorstandsvorsitzender hospitiert für eine Woche in der Rhein-Klinik    

Normalerweise verbringt Dr. Ingo Habenicht seinen Arbeitstag in einem Bielefelder Büro und lenkt als Vorstandsvorsitzender von seinem Schreibtisch aus das Ev. Johanneswerk. Doch alle zwei Jahre gibt er seinen Chefposten ab: In diesem Sommer tauchte er in den Alltag der Rhein-Klinik in Bad Honnef ein und arbeitete in der angeschlossenen Tagesklinik mit – als Hospitant.

Ein bisschen Skepsis war für die Mitarbeitenden schon dabei, als Habenicht seinen Dienst am Montagmorgen startete. „Aber letztlich dachten wir: Soll er doch kommen!“, lacht Adelheid Sondermann. „Wir freuen uns, wenn jemand mal einen Blick aus der Distanz auf unsere Arbeit wirft.“ So nahm Habenicht intensiv teil an der Arbeit für und mit Menschen, die an Depressionen, Traumata oder anderen seelischen Erkrankungen leiden: Gruppengespräche, Erstuntersuchungen, Visiten, therapeutische Angebote, Pflege.

Unzählige Eindrücke

Eine Sonderbehandlung für den Chef gab es dabei nicht. „Unseren Patientinnen und Patienten haben wir natürlich gesagt, wer er ist, aber ansonsten war er ein ganz normaler Teilnehmer des therapeutischen Teams“, erklärt Dr. Alexander Völker, leitender Arzt der Tagesklinik. Genau wie seine Kolleginnen und Kollegen auf Zeit arbeitete er aktiv und intensiv mit. „Es war angenehm, dass Herr Habenicht sich vom ersten Moment an ganz unkompliziert eingefügt hat“, findet Erdmuthe von Schlabrendorf. Insbesondere den fachlichen Austausch – Habenicht bringt beruflich einen therapeutischen Hintergrund mit – nahm das Team der Tagesklinik als Bereicherung wahr.

Habenicht selbst hat seine Hospitation als sehr intensiv erlebt. „Ich bin offen empfangen worden und war von Anfang an mittendrin“, erzählt er. „Das Ziel war es, möglichst tief einzutauchen – und das ist gelungen. Besonders gefallen hat mir, dass die Mitarbeitenden ein echtes Interesse an den Menschen haben, mit denen sie arbeiten.“ Auch die Patientinnen und Patienten mit ihrer Biografie und ihren psychosomatischen Herausforderungen zu erleben, sei sehr beeindruckend gewesen.

Das Fazit der ungewöhnlichen Woche fällt durchweg positiv aus. „Wir haben uns sehr gefreut, dass Herr Habenicht uns so viel Aufmerksamkeit geschenkt hat“, so Völker. „Das zeigt uns, dass unsere Arbeit im Johanneswerk einen hohen Stellenwert hat.“ Und Habenicht nimmt gern unzählige Erkenntnisse und Eindrücke aus der praktischen Arbeit mit zurück an den Schreibtisch. „Ich bin sowohl den Mitarbeitenden als auch den Patientinnen und Patienten sehr dankbar, dass sie mir so tiefe Einblicke gewährt haben. Das ist ganz sicher nicht selbstverständlich.“

Ermutigende Befunde für die Behandlung Älterer

Rhein-Klinik veröffentlicht Fünfjahres-Katamnese

Wie stabil sind die psychotherapeutischen Behandlungsergebnisse bei über 60-Jährigen nach einer stationären Therapie?  Unter dieser Fragestellung führte die Rhein-Klinik eine Fünfjahres-Katamnese bei älteren Patienten durch. Jetzt wurden die Ergebnisse in der Zeitschrift für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie veröffentlicht.

2009 hatte die Rhein-Klinik bereits 46 über 60-jährige Patientinnen und Patienten ein Jahr nach Ende der stationären Therapie befragt und sie um eine rückblickende Beurteilung gebeten. Weitere vier Jahre später befragte sie die gleiche Gruppe erneut. Diesmal antworteten immerhin noch 26 Patientinnen und Patienten auf die Anfrage. 35 Prozent von ihnen beurteilten den Klinikaufenthalt insgesamt als sehr hilfreich, 31 Prozent als ziemlich hilfreich, 31 Prozent als etwas hilfreich und nur 3 Prozent als nicht hilfreich. Die reduzierte Symptombelastung war stabil.

Insbesondere war kein Drehtüreffekt der stationären Behandlung zu beobachten, nur drei der 26 Patienten nahmen in den letzten fünf Jahren erneute stationär psychosomatische Behandlung in Anspruch. Die untersuchten Patienten waren insgesamt in ihrem persönlichen Befinden nicht mehr übermäßig durch Leiden und Symptomatik behindert.


Insgesamt hat die Fünfjahres-Katamnese wertvolle Erkenntnisse ermöglicht. Die Psychotherapie bei älteren Menschen nimmt erst seit etwa 20 Jahren einen wachsenden Stellenwert ein, sodass bisher wenige Untersuchungen vorliegen. „Die Katamnese zeigt ermutigende Befunde für die psychosomatische Behandlung Älterer“, so der Erstautor und leitende Arzt der Rhein-Klinik Dr. Andreas Wolf. „Auch nach fünf Jahren zeigt sich, dass die älteren Patienten von der Behandlung profitieren.“

Die Ergebnisse wurden im August 2016 veröffentlicht. Der Artikel steht auch hier zum Download zur Verfügung.

Depressionen im Alter

Bündnis gegen Depression: Dr. Andreas Wolf referiert beim Symposium

Zum 10-jährigen Geburtstag des „Bündnis gegen Depression Bonn/Rhein-Sieg-Kreis e.V.“ fand in Trosidorf ein Symposium unter dem Titel „Depression im Alter: Was bedeutet das für Pflegende und Angehörige?“ statt. Das ganze Jahr über beleuchtet der Verein das Phänomen Depression von ganz verschiedenen, teils ungewohnten Seiten. Ziel ist es, ganz unterschiedlichen Interessensgruppen Depression als ganz normales, weit verbreitetes Lebensphänomen darzustellen und damit zu einer Destigmatisierung beizutragen.

Neben weiteren Referenten aus Klinik, Pflege, Selbsthilfe und Politik hielt Dr. Andreas Wolf, leitender Arzt der Abteilung 3 der Rhein-Klinik, einen Vortrag: Unter der Fragestellung „Wie hilft eine Psychotherapie bei Depressionen im Alter?“ erläuterte er seine Erfahrungen und Ansätze.

Neues Buch aus der Rhein-Klinik

Karin Schreiber-Willnow beim Sektempfang zur Bucherscheinung. Foto: Rhein-Klinik

Karin Schreiber-Willnow veröffentlicht Buch zur Konzentrativen Bewegungstherapie

Dr. rer. medic Karin Schreiber-Willnow, langjährige KBT-Therapeutin und wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Rhein-Klinik Bad Honnef, hat mit ihrem neuen Buch zur Konzentrativen Bewegungstherapie nicht nur die Fachwelt der Körpertherapeuten, sondern die Welt aller Psychotherapeuten bereichert. Es ist in der Reihe „Wege der Psychotherapie“ im Ernst-Reinhardt-Verlag erschienen.

Die KBT ist eine erlebnisorientierte körperpsychotherapeutische Methode: Im Bewegungsangebot werden Körper und Handeln mit allen Sinnen erlebt, im therapeutischen Gespräch das psychische Entwicklungspotenzial dieser Erfahrungen offengelegt. Die Autorin erklärt wichtige Theoriebausteine und schildert die Praxis an einem beispielhaften Gruppenprozess. Dramaturgie, therapeutisches Vorgehen, Erlebnisse und Erkenntnisse der Gruppenmitglieder werden dabei fachlich kommentiert. Schließlich zeigen eine Zusammenfassung empirischer Ergebnisse und die Darstellung der Praxis bei verschiedenen Krankheitsbildern, dass die KBT evidenzbasiert ist und sich vielfältig einsetzen lässt.

Karin Schreiber-Willnow: „Die Erfahrungen von fast 30 Jahren therapeutischer Gruppenarbeit mit der KBT im multiprofessionellen Team der Rhein-Klinik haben dieses Buch möglich gemacht.“ Schreiber-Willnow ist es mit ihrem gut lesbaren Buch gleichermaßen gelungen, den fachlichen State-of-the Art der Methode kompakt und dennoch umfassend darzustellen und gleichzeitig mit der Präzision der Wissenschaftlerin die Wirksamkeit der KBT zu belegen. Der mit der Methode noch nicht vertrauten Leser erhält einen informativen Überblick über die KBT; den bereits mit der Methode arbeitenden Kolleginnen und Kollegen werden wichtige praktische Erfahrungen vermittelt.

Mit einem Sektempfang an der Rhein-Klinik Bad Honnef wurde das Erscheinen des neuen Fachbuches von Karin Schreiber-Willnow gefeiert. 45 Kolleginnen und Kollegen, die zur Forschungswerkstatt für Konzentrative Bewegungstherapie (KBT) zum 12. Mal an die Rhein-Klinik gekommen waren, stießen auf das Buch „Konzentrative Bewegungstherapie“ an.

Text: Dr. Wolfgang Wöller

Karin Schreiber-Willnow
Konzentrative Bewegungstherapie
Ernst-Reinhardt-Verlag München 2016.
192 Seiten. 6 Abb. 2 Tab.
€ [D] 24,90

Der Körper und das Selbst. Embodiment und Somatisierung

Tagung der Rhein-Klinik Bad Honnef am 27./28. November 2015

190 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten der Einladung der Rhein-Klinik, sich auf der zweitägigen Tagung mit den aktuellen Fragen der Psychosomatik in Vorträgen und Workshops auseinanderzusetzen.

Einleitend gab Prof. Peter Henningsen, Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Klinikum rechts der Isar der TU München, einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen des Fachs. Er beschrieb eine Wende von der Suche im Gehirn, die die letzten Jahre gekennzeichnet hat, zu einer Einbeziehung des ganzen Menschen und seiner Körperlichkeit in der Behandlung medizinisch nicht erklärbarer Symptomatik.

Prof. Sabine Koch, Leiterin des Studiengangs Tanz- und Bewegungstherapie an der SRH-Hochschule Heidelberg, stellte an einer Fülle von Grundlagenstudien die Bedeutung des Körpererlebens oder Embodiments für das Fühlen und Denken dar. Empathie ist nicht möglich ohne körperbezogene Empfindungen. Sie konnte Studienergebnisse vorlegen, die zeigten, dass autistische Jugendliche von einer Tanz- und Bewegungstherapie profitieren, in der sie Körperwahrnehmung und Körperausdruck erprobten.

Eine Tagung, die sich mit dem Körpererleben beschäftigt, kann nicht nur aus Vorträgen bestehen: Vielmehr konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer  das Gehörte in vier parallelen Workshops praktisch am eigenen Leibe erproben. Dr. Sabine Trautmann-Voigt, Leiterin der Köln-Bonner Akademie für Psychotherapie mit dem Schwerpunkt Tanz- und Körpertherapie, führte die Workshop-Mitglieder in bewegte Handlungsdialoge. Tanz und Bewegung konnten am eigenen Leib als ein Wegweiser ins Unbewusste erfahren werden.

Antje Scherholz, Tanz- und Bewegungstherapeutin an der Rhein-Klinik, bot an, verschiedene Kanäle der Beziehungsgestaltung zu erproben: Neben dem Wort, das traditionell psychotherapeutisches Handwerkszeug ist, wurde der Blick auf das Ungesagte gerichtet. Evelyn Schmidt, Psychotherapeutin an der Rhein-Klinik und Lehrbeauftragte des Deutschen Arbeitskreises für Konzentrative Bewegungstherapie DAKBT, regte zu Körperwahrnehmung und Bewegung an, zu erkunden, wie es geht und was es braucht, um vom Sitzen zum Stehen zu kommen. Im Workshop von Elvira Braun, ebenfalls Lehrbeauftragte im DAKBT, konnte erprobt werden, wie sich Begegnung in Nähe und Distanz leiblich anfühlt. Einen ganz anderen Blick auf den Menschen vermittelte Prof. Doris Titze von der Hochschule für bildende Künste in Dresden, die in einem großen historischen Bogen die Darstellung von Portraits in der Kunst kunsttherapeutisch interpretierte.

Ein abendliches Beisammensein bei einem leckeren Büffet mit vielen angeregten Gesprächen und nicht zuletzt Tagungstanz im Gewölbekeller rundeten den Abend schwungvoll ab.

Prof. Peter Joraschky, ehemals langjähriger Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychotherapie und Psychosomatik an der Uniklinik Dresden, führte am Beispiel langjähriger  Therapien von Patientinnen aus, dass die Psychotherapie bei frühen Verletzungen und Traumatisierungen ohne körperpsychotherapeutischen Anteil nicht auskommt.

Eine ganz andere Zeitströmung wurde von Prof. Ada Borkenhagen aufgegriffen: Sie stellte Ergebnisse eine Studie zu Körpermodifikationen vor, die Zusammenhänge von Piercing, Tattoo  und Persönlichkeitsmerkmalen untersuchte. Sie räumte auf mit dem Vorurteil, dass Körpermodifikationen immer ein Hinweis auf Psychopathologie sind und diskutierte sie als Zeitphänomen, das einen großen Teil der 20- bis 30-Jährigen betrifft.

Mit einer Übersicht über Ausmaß, Risikofaktoren und Behandlungsmöglichkeiten der Koronaren Herzkrankheit stellte Prof. Christian Albus, Leiter der Klinik und Poliklinik für Psychosomatik und Psychotherapie der Universität zu Köln, den aktuellen Forschungsstand einer der großen Volkskrankheiten dar. Stressbelastung und Persönlichkeitszüge wie Feindseligkeit gehören zu den Risikofaktoren, die psychotherapeutisch behandelbar sind.

Schließlich stellte Dr. Marianne Eberhard-Kächele, Tanz- und Ausdruckstherapeutin und Dozentin an der Deutschen Sporthochschule Köln, in einem plastischen und anschaulichen Beitrag die Möglichkeiten der Körperpsychotherapie zur Veränderung des Körperselbst dar.

In diesen großen Bogen wurde die Psychosomatik aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet und die Bedeutung des verkörperten Selbst, des ‚embodied self’ betont. Es ist nicht ein Gehirn, dessen Synapsen behandelt werden, sondern ein Mensch in seiner ganzen leiblichen Existenz.

Text: Karin Schreiber-Willnow/ Fotos: Rhein-Klinik

Peter Henningsen
Sabine Koch
Marianne Eberhard-Kächele
Ada Borkenhagen
Christian Albus
Doris Tietze/ Peter Joraschky

Fachkongress „Häusliche Gewalt – Gewalt in sozialen Beziehungen“

Respekt und Geduld beim Umgang mit Gewaltopfern am wichtigsten

Bei einer Fachtagung Ende September in Düsseldorf haben die nordrhein-westfälischen Ärztekammern Ärztinnen und Ärzte dazu aufgerufen, möglichen Opfern häuslicher Gewalt in Praxen und Klinikambulanzen verstärkte Aufmerksamkeit zu widmen. Angesichts einer dramatischen Zunahme der Strafanzeigen seit 2004 um rund zwei Drittel intensivieren die Kammern Fortbildung und Information der Ärzteschaft zu diesem Thema. In Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum Frauen und Gesundheit NRW wollen sie eine engere Kooperation der Ärzteschaft zum Beispiel mit psychosozialen Hilfeeinrichtungen organisieren.

„Meist sind es nicht äußere Verletzungsfolgen, die die Opfer zum Arzt führen, sondern unerklärliche psychosomatische Beschwerden", sagte Privatdozent Dr. Wolfgang Wöller, Ärztlicher Direktor der Rhein-Klinik. In der Abteilung für Traumafolgeerkrankungen erlebt er, dass Schmerzsymptome ohne erkennbare medizinische Ursache, aber auch Depressionen oder Schlafstörungen Folgen häuslicher Gewalt sein können.

„Schutz und Hilfe für die Opfer sind mindestens ebenso wichtig wie die Ächtung und Sanktionierung häuslicher Gewalt“, sagte der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Rudolf Henke, „Menschen mit Gewalterfahrung empfinden es häufig als Erleichterung, wenn ihre Ärztin oder ihr Arzt die Initiative ergreift und sensibel auf eine Gewaltbelastung zu sprechen kommt.“ „Gewalt macht krank. Wenn Gewaltopfer ihre Belastung nicht offenbaren, gilt es, sie aktiv zu erfragen“, so die Leiterin des Kompetenzzentrums Frauen und Gesundheit NRW, Marion Steffens.

Nach einer Statistik des Landeskriminalamtes NRW ist die Zahl der Strafanzeigen wegen häuslicher Gewalt zwischen 2004 und 2013 von 16.267 auf 27.284 und damit um rund 68 Prozent gestiegen. Hier ist aber nur ein Teil der Fälle von häuslicher Gewalt erfasst. Laut Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend besagt eine repräsentative Studie, dass rund 25 Prozent der Frauen im Alter von 16 bis 85 Jahren ein- oder mehrmals körperliche oder sexuelle Gewalt durch Beziehungspartnerinnen und Beziehungspartner in ihrem Leben erlebt haben.

Hier finden Sie einen Artikel zum Thema im Rheinischen Ärzteblatt
Hier finden Sie die Dokumentation zum Fachkongress

Fachtagung „Trauma und somatische Dissoziation“

Michaela Huber moderierte die Veranstaltung.
Wolfgang Wöller war einer der Referenten. Fotos: Ute Bluhm-Dietsche

veranstaltet von der DGTD in Kooperation mit der Rhein-Klinik

„10 Prozent der Deutschen haben Gewalt in ihrem Leben erfahren, 5 Prozent sexualisierte Gewalt oder Missbrauchserfahrungen“, berichtete Prof. Dr. Johannes Kruse (Gießen) bei der Fachtagung an der Rhein-Klinik zum Thema „Trauma und somatische Dissoziation“.

Die deutsche Gesellschaft für Trauma & Dissoziation (DGTD) veranstaltete die Tagung am 19. und 20.9.2014 in Kooperation mit der Rhein-Klinik. Moderiert wurde sie von Michaela Huber, der 1. Vorsitzenden der DGTD. 200 Expertinnen und Experten diskutierten die Fachvorträge, die sich insbesondere mit körperlichen Folgen von Traumatisierungen auseinandersetzten:

Wie können wir unseren Klienten und Klientinnen bei der Unterscheidung helfen, welche somatischen Beschwerden „von früher“ und welche „von heute“ sind? Und wie unterscheiden wir, welche Bedeutungen die somatischen Beschwerden haben: Sind sie Erinnerungen, Konversionen, Stress-Symptome, Folge-Erkrankungen? Welche somatischen Probleme sind typisch für früh traumatisierte Patienten und Patientinnen, und wie können wir therapeutisch damit arbeiten? Wie können wir unsere eigenen Körper-Reaktionen auf unsere traumatisierten Klienten und Klientinnen lesen, verstehen und steuern lernen?

Diese und viele weitere Fragen wurden mit namhaften Referenten und Referentinnen in Podiumsdiskussionen, kreativen Workshops und auch in den Pausen diskutiert – im Austausch mit Erfahrungen aus Praxis, Klinik und Beratungsstelle, Pflegeheim und Selbsthilfegruppen, Schulen und Heimen.

Kathy Steele, renommierte Traumatherapeutin aus den USA, wies eindrücklich darauf hin, wie wichtig es auch für die Therapeutinnen und Therapeuten ist, sich vor sekundären Traumatisierungen durch die Behandlungen zu schützen.

Die Vorträge zum Download sowie weitere Fotos von der Tagung finden Sie auf der Homepage der DGTD.